Electronic Sports Festival verbirgt sich hinter diesem tollen Kürzel. Für mich also zumindest laut Namensgebung ein Festival des elektronischen Sports. Gestartet ist dieses Projekt 2018 mit eigentlich gutem Erfolg. Für das erste ESF wurde ein guter Veranstaltungsort gewählt, die zugehörige LAN auf der etliche österreichische Vereine vertreten waren fand in der Nähe der ESF-Expo statt, alles in allem ein recht gelungener Start für das Event. Einige Verbesserungsvorschläge wurden von Besuchern, Vereinen und Spielern gemacht.

Wir schreiben den 28. März 2019, die Fortsetzung des Events soll noch besser, noch größer, noch erfolgreicher werden. Das Donauplex in Wien wird als neue Location angepriesen. Eintrittspreise für die LAN entweder 39 Euro „bring your own“ oder 89 Euro, dann bekommt man Snacks, einen Gaming Stuhl und einen Monitor bereitgestellt.

Liest sich ja alles toll dachte sich auch NOXsports, wir waren ja auch auf dem ersten ESF und waren durchaus begeistert. Gesagt getan drei Vorstände, sechs Teamspieler und zwei Communitymitglieder lösen sich ein Ticket und machen sich auf den Weg.

Rooty’s Lan Report:

Leider hat mein Artikel etwas länger gedauert da ich meinen Computer nach dem Abbau auf der ESF erst mit dem Kompressor in meiner Firma reinigen musste. Aber nun bin ich voller Anekdoten, Seitenhiebe und Sarkasmus bereit für meinen kleinen Report. Eigentlich war ich sehr gehyped durch die Erzählungen unserer Spieler die bereits auf dem ersten ESF anwesend waren und durchwegs positives zu berichten hatten.

Ich habe wirklich lange überlegt wie ich diesen Artikel schreiben soll und über was ich schreiben soll, habe mir auch nach dem Event noch andere Zeitungsartikel bzw. Social Media Artikel durchgelesen und wenn ich mir die Medien so ansehe war das ESF ein „super Event“ mit „Rekordzusehern“ und eine „absolut gelungene esports Veranstaltung“. Damit wäre dann mein Artikel beendet und die Leute die hinter diesem Event stehen würden sich sehr über die positive Publicity freuen.

Das Problem das ich nun aber habe ist, ich war tatsächlich alle 3 Tage mit meinem Verein und meinen „esports Teams“ auf dieser Veranstaltung und sie war alles andere als ein „positives Erlebnis“.

Das Datum

Ich wärme mich mal langsam auf und fange mit dem Datum an: Donnerstag der 28. März – Donnerstag? Kein Problem für semi-professionelle Spieler die entweder noch die Schule besuchen oder arbeiten gehen müssen unter der Woche. Da nimmt man sich halt einfach Urlaub.

Die Parkplätze

Hier kann ich mich sehr kurz fassen. Ladetätigkeiten sind absolut kein Thema, einfach in die Tiefgarage fahren und fertig. Ein Problem tritt erst auf wenn man nicht bereit sein sollte sich für 25 Euro pro Tag einen Stellplatz in der Garage zu sichern. Denn dann muss man irgendwo im Bezirk versuchen sich einen freien Parkplatz zu suchen.

Die Location

Eigentlich möchte man meinen, dass das Donauplex für eine solche Veranstaltung ein toller Ort ist. Allerdings mussten wir feststellen, dass dem nicht so war. Als wir auf der LAN ankamen stieg uns sofort der stechende „Klogeruch“ in die Nasen. Der „Raum“ (wenn man das überhaupt so nennen will)sah aus, als wäre gerade erst ein Bautrupp mit der Abrissbirne kurz vor uns in den Feierabend gegangen. Bereits nach ca. 5 Minuten fiel uns dann auch der Staub auf der durch den blanken Estrichboden permanent aufgewirbelt wurde. Natürlich super einzuatmen und für das EDV Equipment sehr von Vorteil. Beleuchtung war (noch) vorhanden und ausreichend. Ein WC in der Nähe des Spielerbereichs suchte man leider vergeblich, dazu ging es dann (noch) nach oben ins Donauplex.

Die LAN

Biertische – dieses Wort hasst jeder LAN-Teilnehmer eigentlich. Die Oberfläche ist entweder gewellt von verschütteten Getränken oder es sind irgendwo Asteinschlüsse die man nur mit zentimeterdicken Mauspads ausgleichen kann. Erschwerend hinzu kommen dann noch die Aufklappmechaniken unter der Tischplatte die eigentlich ein Drittel des Tisches einnehmen und es  beinahe unmöglich machen 2 Spieler vernünftig auf einem solchen Tisch unterzubringen. Genau aus diesem Grund verwenden erfahrene LAN-Veranstalter auch !keine BIERTISCHE! Die zur Verfügung gestellten Gameserver waren mässig was soweit ging, dass wir bei einem Spiel abbrechen mussten und auf unseren eigenen Online Server wechselten. Verpflegung gab es fast ausschließlich über das 2 Stockwerke höher gelegene Donauplex. Die bereitgestellte Netzwerk- und Strominfrastruktur war gut.

Die Turnierleitung

Diese wurde im großen und ganzen von Spielern aus der Community gemanaged. In Anbetracht der eher mäßigen Gameserver und allgemeinen Unorganisiertheit des restlichen Staffs der ESF, haben die Admins aber ihre Aufgabe eigentlich ganz gut gemacht. Die üblichen kleinen Verzögerungen bei so manchem Matchstart sind ja fast schon normal in der esports Szene. Daher würde ich hier sagen Job gut gemacht!

Der Schlafplatz

Mittlerweile hab ich ja dank der Planet One gelernt, dass auf solchen Veranstaltungen aufgrund von Brandschutzvorschriften schlafen untersagt ist, bzw. darf der Veranstalter keine Schlafräume zur Verfügung stellen. Es gab ein Hotel das zum Duschen (5€) oder zum Schlafen (150€) genutzt werden durfte. Ich hatte wie immer mein mobiles Bett dabei um mir in der ersten Nacht den Arsch abzufrieren und mir eine Staublunge zu holen. In der zweiten Nacht konnte ich glücklicherweise kostenfrei bei einem Freund übernachten.

Die Live-Übertragungen

Danke an Michael „DeaDy“ Fuchs und sein gesamtes Team. Ohne eure Übertragungen und eure Wahnsinnsleistung auf dieser Veranstaltung wäre gar kein Lichtblick geblieben. Der einzige Punkt an dem es tatsächlich nichts zu kritisieren gibt.

Das wären dann mal die Basics auf einer solchen Veranstaltung und nun zum lustigen Teil dieses Berichts.

Eine bodenlose Frechheit für diese Veranstaltung 39 oder geschweige denn 89 Euro zu verlangen. Wer sich „Electronic SPORTS Festival“ nennt, der sollte eine solche Veranstaltung auch als Sportveranstaltung sehen und sich der Tatsache bewusst sein, dass da „Sportler“ kommen. Viele Vereine in Österreich geben sich große Mühe das Image und den Bekanntheitsgrad von esports aufzupolieren und durch solche Veranstaltungen werden diese Bemühungen einfach mit Füßen getreten.

Falls diesen Artikel auch „nicht“ esportler lesen versuche ich mal anhand eines Beispiels zu beschreiben wie sich dieses Event für einen Sportler angefühlt hat.

Nehmen wir mal an, dass das ein Fußball Turnier war.
Dann mussten die Fußballer in einer Tiefgarage auf Schotter ohne Beleuchtung bei Smog ihre Matches spielen. Der Rand des Spielfeldes wurde als Klo genutzt damit der angenehme Urinduft auch permanent aufrecht erhalten blieb. 6 Spieler spielten auf Schotterplatz 1 und die anderen 5 vom selben Team mussten auf einem anderen Spielfeld spielen.

Falls gewisse Tatsachen die den esports betreffen noch nicht durchgedrungen sind zu so manchem Veranstalter dann hier eine kurze Erklärung. Wir sitzen nicht alle nur im dunklen mit Augenringen, trinken 24/7 Energiedrinks und „spielen“ Computerspiele. Wir brauchen Platz, Licht, gute Luft und Verpflegung wie jeder andere Sportler auch. Wir müssen uns über mehrere Stunden konzentrieren und da hilft es dann nicht wenn permanent eine Industrielüftung in unseren Rücken bläst. Außerdem ist es auch wichtig dass wir möglichst nebeneinander sitzen und nicht verteilt über eine Halle. Permanenter Klogeruch ist glaube ich bei keiner Sportveranstaltung angenehm und wenn zu all dem auch noch unser Equipment gestohlen wird oder so verstaubt da man eine zentimeterdicke Staubschicht nach wenigen Stunden vorfindet, dann läuft irgendetwas gehörig schief.

Auch wenn schlafen „nicht gestattet“ ist haben es doch einige Spieler auf der LAN gemacht und selbst wenn wir alle durchgemacht hätten, dann wäre ein Zugang zu einer Toilette eigentlich eine Grundvoraussetzung. Wie oben erwähnt war leider auch das ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr der Fall es gab so ca. ab 24:00 tatsächlich keine Toilette mehr und erst nachdem mehrere Spieler sich darüber beschwert hatten, wurde uns wieder Zugang zum abgeschlossenen Donauplex gewährt damit wir aufs Klo gehen konnten. Den Sager des Wochenendes lieferte mir dann eine Mitarbeiterin des ESF, als ich sie darum bat das Licht wieder einzuschalten: „Das haben wir ausgeschalten für den Flair“. Es war stockfinster in unserem Bereich und ich stolperte gefühlt 300 mal über Bierbänke oder Taschen die am Boden standen.

Ich kann hier nur fassungslos den Kopf schütteln, dass mit den hier zur Verfügung gestellten Mitteln von so großen Sponsoren, die in unserer Szene immer noch sehr rar sind, so eine Veranstaltung entsteht und zu all dem kommt dann noch eine völlig illusorische und falsche Berichterstattung in den Medien.
Es gibt in unserer Szene so großartige Organisationen, Vereine und Veranstalter, die seit Jahren bemüht sind die esports-Szene in Österreich voran zu bringen und diese würden deutlich verantwortungsbewusster mit solchen Mitteln umgehen um ihr ohnehin tolles Angebot noch weiter zu verbessern.

Hier bekommt unser Vereinsmotto „never surrender“ eine ganz neue Bedeutung.

euer root

Galerie: https://www.noxsports.net/galerie/electronic-sports-festival-2019/

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